Crowdfunding ist in Deutschland noch ein relativ junges Phänomen. Es ist nicht wie in Großbritannien oder den USA, wo Nischenideen und äußerst ehrgeizige Projekte routinemäßig ihre Unterstützer finden. Hier ist der Sektor noch in der Entwicklung. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Sie könnten hart verdientes Geld investieren und zusehen, wie es sich in Luft auflöst.
Die Landschaft ist anders. In englischsprachigen Märkten ist die Infrastruktur ausgereift. Unterstützer verstehen die Risiken. Sie wissen, dass nicht jede Kampagne Erfolge bringt. In Deutschland sind die Menschen immer noch dabei, die Regeln herauszufinden. Vertrauen baut sich auf, aber es ist fragil. Ein gescheitertes Projekt bedeutet hier nicht nur ein verzögertes Produkt. Oft bedeutet es einen Totalverlust.
Das ist keine Kritik. Es ist ein Realitätscheck. Der Markt wächst. Aber Wachstum ist nicht gleichbedeutend mit Stabilität. Bis sich die Vorschriften verschärfen oder die Plattformen strengere Überprüfungen durchsetzen, müssen Unterstützer wachsam bleiben. Ein Klick. Das ist alles, was man braucht, um einen Traum zu finanzieren, der nie wahr wird.
Über die Spende hinaus: Wie sich die frühe Technologiefinanzierung entwickelte
Die Logik hinter Crowdfunding ist fast zu leicht zu verstehen. Sie veröffentlichen ein Projekt auf einer speziellen Website. Die Leute chippen in kleinen Mengen. Wird das Ziel fristgerecht erreicht, geht das Geld an den Ersteller. Die Idee wird umgesetzt. Wenn nicht, stirbt es. Es ist ein kollektives Glücksspiel.
Aber bei diesem Modell ging es nicht immer nur um Tech-Startups.
In den USA war das Crowdfunding für kreative Projekte um das Jahr 2000 vor allem eine Lebensader für Musiker, Künstler und Filmemacher. Banken würden sie nicht anfassen. Keine Sicherheiten. Keine nachgewiesene Erfolgsbilanz. Es war ein Backup-Plan. Fans könnten ein Album oder eine Ausstellung direkt unterstützen. Kein Interesse. Keine Dividenden. Nur ein signiertes Exemplar des Buches oder ein Name im Abspann. Manchmal skaliert die Belohnung mit der Spende. Mehr Bargeld, bessere Vergünstigungen. Technisch gesehen handelt es sich um eine Spende. Möglicherweise erhalten Sie sogar eine Steuerbescheinigung.
Von Kühlboxen bis hin zu Smartwatches
Dann erweiterte sich der Anwendungsbereich. Ideen brauchten Geld.
Crowdfunding wurde zum Motor für neue Unternehmungen. Die Rede ist von Öko-Cafés, die recycelte Kleidung verwenden. Oder Hardware, die tatsächlich mit Marktführern konkurriert. Nehmen Sie das Smartwatch-Konzept, das ohne Zwischenhändler eine Verbindung zu Telefonen herstellt. Oder Spielekonsolen, die den Giganten Marktanteile abjagen sollen.
Es finanziert auch das Seltsame.
Acht Millionen Dollar für einen multifunktionalen Gefrierschrank. Fünfundfünfzigtausend Dollar, um ein Kartoffelsalatrezept zu perfektionieren. Das Internet finanziert alles, wenn der Pitch gut ist.
Der Wandel zum Crowdinvesting
Hier wird es riskanter. Und potenziell lukrativer.
Crowdfunding entwickelte sich zum Crowdinvesting. Hier kaufen Sie nicht nur ein T-Shirt. Sie kaufen einen Teil des Geschäfts. Möglicherweise erhalten Sie einen festen Zinssatz. Oder Eigenkapital. Denken Sie an Unternehmensanleihen. Stille Partnerschaften. Oder Anteile an einer GmbH & Co. KG. Manchmal springt später ein großer Investor ein, um die kleinen Geldgeber mit einem Aufschlag aufzukaufen.
Plattformen begannen, ambitionierte Start-ups direkt anzusprechen.
Der Hype war real. Im Jahr 2013 meldete die KfW 66 Crowdinvesting-Deals in Deutschland. Bis Juni dieses Jahres hatten bereits 60 geschlossen.
Ein Hamburger Startup hat in nur zehn Stunden und acht Minuten 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Eine solche Geschwindigkeit löst Alarm aus.
Die Bundesregierung musste mit ansehen, wie der Windparkbetreiber Prokon spektakulär scheiterte. Sie versprachen strengere Verbraucherschutzregeln. Weil es etwas anderes ist, bei einem Startup sein Hemd zu verlieren, als bei einer schlechten Crowdfunding-Kampagne Geld zu verlieren. Es ist ein geschäftlicher Misserfolg.
Die Checkliste für den vorsichtigen Investor
Wenn Sie Crowdinvesting betreiben, hören Sie auf zu scrollen.
- Lesen Sie die Mathematik. Können Sie den Energieeinsparungen oder Gewinnprognosen folgen? Wenn die Zahlen vage sind, gehen Sie weg.
- Überprüfen Sie die Ethik. Benutzen sie Klimaschutz oder soziales Engagement nur als Marketing-Fluch? Seien Sie skeptisch.
- Überprüfen Sie den Ausstieg. Gibt es eine Rückerstattungsgarantie, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird?
- Beachten Sie die Regeln. Dies ist ein alternativer Vertriebskanal für Anlageprodukte. Es gelten die üblichen Anlagerisiken.
- Risiko einschätzen. Können Sie es sich leisten, alles zu verlieren?
- Ignorieren Sie den Hype. Vertrauen Sie nicht den Nutzerbewertungen auf der Plattform selbst.
- Achten Sie auf die Gebühren. Sind die Plattformprovisionen in der Berechnung klar ersichtlich?
- Kennen Sie ihre Rolle. Ist die Plattform ein neutraler Broker? Oder haben sie einen eigenen Skin im Spiel?
- Sichern Sie Ihr Vermögen. Ist Ihr Geld geschützt, wenn die Plattform pleite geht oder unterschlagen wird?
Der Grat zwischen der Unterstützung einer Idee und der Wette auf ein Unternehmen ist schmal. Das eine ist ein Hobby. Das andere ist ein Geschäft. Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, auf welcher Seite Sie stehen, bevor Sie klicken.




























