Der Aufstieg von Jesus Christus-Simulationen mit künstlicher Intelligenz (KI) ermöglicht es Benutzern, während der Feiertage religiöse Führung oder Begleitung zu suchen. Diese KI-„Jesus“ werden zwar als neuartige Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Glauben vermarktet, werfen jedoch erhebliche ethische und theologische Fragen auf. Experten warnen davor, dass das Vertrauen auf solche Plattformen zu Voreingenommenheit führen, religiöse Traditionen verzerren und emotionale Verletzlichkeit ausnutzen könnte, während Menschen aktiv nach spirituellen Antworten suchen.
Die neuen digitalen Messias
Im vergangenen Jahr haben mehrere Plattformen – darunter Talkie.AI, Character.AI und Text With Jesus – KI-Chatbots auf den Markt gebracht, die behaupten, die Stimme Jesu zu verkörpern. Diese Bots reagieren auf Benutzeranfragen mit unterschiedlichem Grad an theologischer Genauigkeit und kultureller Sensibilität. Einige bieten allgemeine Aussagen über Liebe und Erlösung, während andere in ihre Antworten Bezüge zur modernen Popkultur einbauen.
Wie Heidi Campbell, Professorin für Kommunikation und Religionswissenschaft an der Texas A&M University, erklärt, liegt der Reiz in der Illusion von Intimität: * „Es ist die Idee … als würde man seinem Freund eine SMS schreiben. Irgendwie fühlt es sich irgendwie authentischer an … es fühlt sich intim an.“* Diese Zugänglichkeit verbirgt jedoch tiefere Bedenken.
Das Risiko eines unbestätigten Glaubens
Das Kernproblem ist die mangelnde Rechenschaftspflicht. KI-Modelle werden anhand von Datensätzen trainiert, die von Technologieunternehmen kuratiert werden, was bedeutet, dass Interpretationen des Glaubens stark durch algorithmische Voreingenommenheit beeinflusst werden können. Modelle wie ChatGPT von OpenAI können beispielsweise Probleme mit nicht-westlichen Religionen haben oder Stereotypen reproduzieren. Ebenso könnten in China ausgebildete Modelle wie DeepSeek die katholischen Lehren falsch darstellen.
Dies wirft eine kritische Frage auf: Wer kontrolliert die Erzählung des Glaubens im digitalen Zeitalter? Feeza Vasudeva, Forscherin an der Universität Helsinki, stellt fest: „Wer die Trainingsdaten kuratiert, kuratiert effektiv die religiösen Traditionen.“* Dies könnte zu einer homogenisierten, global durchschnittlichen religiösen Botschaft führen, die von lokalen Gemeinschaften getrennt ist.
Sicherheitslücke und Fehlinformationen
Besonders besorgt sind Experten über die Auswirkungen auf junge oder technikunkundige Menschen. Ohne Fähigkeiten zum kritischen Denken akzeptieren Benutzer möglicherweise KI-generierte Antworten als absolute Wahrheit. Campbell warnt: „Sie haben keinerlei Resonanzboden für diese Antworten, und deshalb kann das höchst problematisch sein.“* Die Gefahr liegt in der unbestrittenen Akzeptanz potenziell ungenauer oder voreingenommener religiöser Ratschläge.
Verantwortungsvoller Umgang und Faktenprüfung
Experten schlagen vor, dass die Lösung ein vorsichtiges Engagement ist. Vasudeva rät, KI-Jesus-Chatbots sparsam und achtsam einzusetzen und den realen Verbindungen mit Familie und Freunden Vorrang einzuräumen. Wenn Benutzer solche Plattformen nutzen, sollten sie die Quelle bewerten und die Antworten mit vertrauenswürdigen religiösen Führern oder etablierten Texten überprüfen.
Campbell empfiehlt, die Chatbots als Ergänzung und nicht als Ersatz für echte spirituelle Führung zu betrachten. * „Wenn die Apps zur religiösen Reflexion oder Beratung verwendet werden sollen, bewerten Sie das Modell, indem Sie ihm Fragen stellen, die ein menschlicher Pastor oder spiritueller Berater beantworten soll, bevor Sie sich ihm öffnen.“*
Letztendlich bieten KI-generierte „Jesus“-Figuren zwar eine bequeme, wenn auch beunruhigende Möglichkeit, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen, ihre Verbreitung unterstreicht jedoch die dringende Notwendigkeit kritischen Denkens und eines verantwortungsvollen digitalen Konsums. Die Zukunft der Religionsausübung im digitalen Zeitalter hängt von informierten, anspruchsvollen Nutzern ab, die die mit diesen neuen Technologien verbundenen Einschränkungen und Vorurteile verstehen.






























